Castrensis viculis

Die ursprüngliche Besiedlung

Die fruchtbaren Landstriche entlang des Flussdeltas der Wurm waren schon früh besiedelt. Im Herzogenrather Stadtgebiet fand man prähistorische Zeugnisse aus dem Altpaläolithikum. Es handelt sich um Faustkeile und anderes primitives Steinwerkzeug, was auf etwa 500.000 vor Christus datiert wurde und zeigt, dass die Gegend schon früh von Fischern und Jägern besiedelt war. Derartige Funde sind unter anderem belegt im Bereich der Glasstraße, wo sie beim Bau eines Rückhaltebeckens gesichert wurden. Auch das an Kerkrade anschließende Geultal ist eines der ältesten Siedlungsgebiete der Niederlande. Später zogen nomadisierende Volksstämme die Flussläufe hinauf und durchkreuzten so abermals auch das Wurmdelta bis Aachen.

Im Bereich der Pfarrkirche von Sankt Gertrud finden sich Überreste einer Keltensiedlung, die unter anderem bei Sanierungsarbeiten im Kirchenschiff zu Tage traten. Sankt Gertrud wird in mittelalterlichen Quellen als ecclesia affedensis bezeichnet.

Afden oder Affethen entstammt dem keltischen Wort affar, was übersetzt Wohnung heisst und dan bzw. den für Fluß. Affeden bedeutet also die Wohnung oder Siedlung am Fluss, was zur geographischen Lage der Pfarrei passt. Eine weitere Theorie stellt darauf ab, der Name entspränge einem Kultort für eine keltische Gottheit namens „Affer“ (vgl.  u.a. Franz Büttgenbach, Klosterrath).

Trotz intensiver Recherche ist es mir nicht gelungen, eine ähnlich klingende keltische Gottheit, wie von Büttgenbach angeführt in Quellen nachzuweisen. Bei diesen Recherchen im keltischen Sprachraum stieß ich allerdings auf ein namenskundliches Werk von Manfred Schmidt, der für ähnlich klingende Ortsnamen ebenfalls die keltische Sprache bemüht. Für die die Ableitung des Namens Afden käme mithin eine neue Ableitung in Betracht, die so in der Heimatforschung noch nicht abgeleitet wurde: af, ef oder uf bedeutet im keltischen Schlamm, Morast und furdi steht für Furt. Aus af-Furdi wurde dann irgendwann Affeden, oder Affethen und später Afden. Mithin wäre dort wo heute Afden liegt eine Stelle, wo einst eine sumpfige Furt durch die Wurm geführt haben könnte, was in unmittelbarer Nähe zu Afden tatsächlich so war. Auch Straßennamen wie die in Nachbarschaft liegende Furtherstraße weisen darauf heute noch hin. (vgl. für ähnlich klingende Ortsnamen: Schmidt, Manfred. Die kuriosen deutschen Ortsnamen. Eine namenskundliche Untersuchung. Düsseldorf 2009, S.73.

Viva Romana

Um etwa 50 nach Christus kommen die Römer in die Region. Von Köln aus kommend bauen sie die via Agrippinensis. Die wichtige Heeresstraße verbindet Köln (Colonia Claudia Ara Argippinensium) mit der Atlantikküste. Die Römer bauten ihre Straßen bevorzugt über den Bergrücken statt durch das Tal. Von oben hat man nicht nur eine bessere Aussicht, man kann sich auch leichter verteidigen. Folgt man von Jülich aus kommend dem Straßenverlauf, so führt die alte Römerstraße am Gewerbegebiet Nordsternpark vorbei und trifft im Bereich der  Rimburg auf das Flussbett der Wurm. Hier sprang die Straße über die Wurm und verlief dann weiter über Heerlen, Maastricht, Tongeren bis zum Atlantik. Zwar war steht die heutige Rimburg auf den Überresten eines alten Römerkastells, doch war der Standpunkt nicht optimal. Die Fundamente des alten dort gelegenen vicus sowie des römischen Brückkopfes konnten in mehreren Grabungsetappen ausgegraben werden. Im Herzogenrather Stadtgebiet lag unter anderem ein vicus oberhalb von Herbach. Die im Rahmen der Erschließung des Gewerbegebietes Nordstern vorgenommene Ausgrabung einer villa rustica deutet auf ein gewisses Maß an Wohlstand hin. Neue Thesen gehen davon aus, dass Limburg die Kornkammer Kölns in Römerzeiten war. Hierfür sprechen auch weitere Funde von Römervillen im Kloosterveld, im Oranjeplein in Oud Erenstein, im Brughofweg, in Terwinselen wo heute das Mc Donalds steht, in Herbach bei Merkstein etc. Die Funde deuten zudem darauf hin, dass das Straßennetz weit verzweigter war, als man lange vermutete. Tempelfunde in Nieuw Erenstein und Seffent stützen ebenfalls die Vermutung einer dichten Landbesiedelung. Die Römervilla am Nordstern wurde ungefähr im 1. Jahrhundert nach Christus errichtet und bis ins 3.-4. Jahrhundert genutzt. Nähere Informationen zur Ausgrabungsstätte Nordstern erhalten sie hier. Auch die Nievelsteiner Sandwerke dienten schon den Römern als Steinbruch. Damit gehört Herzogenrath zu einem von drei römisch genutzten Sandabbaugebieten nördlich der Mittelgebirgszone (die anderen liegen bei Düsseldorf und Mönchengladbach). (vgl. hierzu vertiefend: Rothenhöfer, Peter. Die Wirtschaftsstrukturen im südlichen Niedergermanien: Untersuchungen zur Entwicklung eines Wirtschaftsraumes an der Peripherie des Imperium Romanum, S.108.) Neben Skulpturen (beispielsweise zwei Löwen) wurden hier unter anderem auch Sarkophagdeckel gefunden. Einige dieser Fundstücke findet man heute im Burggarten, wo sie dauerhaft ausgestellt werden und der Öffentlichkeit zugängig gemacht werden. Leider hat der Landesverband Rheinland seine Ausstellungskultur verändert, so dass man heute Herzogenrather Fundstücke nur im Römisch-Germanischen-Museum in Köln besichtigen kann. Gleichzeitig möchte ich an dieser Stelle betonen, wie dankbar ich bin, dass der LVR Burg Rode inzwischen als Museumsstandort aufgewertet hat. Im Rahmen der via belgica bekommt Herzogenrath ein neues Museum, was den mittelalterlichen Burgenbau entlang der Römerstraße aufzeigen wird. Da der Steinbruch Nievelstein von der Antike ausgehend bis in die Gegenwart hinein wirtschaftlich genutzt wird, ist eine Untersuchung zu römischen Ausgrabungsstätten nur schwerlich möglich. Prof. Dr. Klaus Grewe, der sich unter anderem bei den Ausgrabungen der Römerstraße Köln-Trier sehr engagiert hat, war vor Jahren in Nievelstein und belegte die Wichtigkeit der Abbaustell für das Mittelalter. Er wies unter anderem nach, dass zum Teil Ornamente für Kirchenfenster in Nievelstein hergestellt wurden, die in französischen Kathedralen des Mittelalters verarbeitet wurden. Herzstück der römischen Expansion war das Straßennetz. Insgesamt umfasste es fast 100.000 km quer durch Europa. Nur so konnten die Römer ihre Legionen schnell in Krisenregionen führen, um so Unruhe und Feindbewegung effektiv zu bekämpfen. Sie wurden aber auch für den Handel schnell wichtig. Bis 57 nach Christus siedelten in der Städteregion Aachen noch die Eburonen, die den Römern nicht sonderlich freundschaftlich gegenüber standen. In mehreren Phasen gelang es schließlich westlich der Wurm die germanischen Stämme der Segnier und Condrusen und östlich der Wurm die Ubier anzusiedeln. Erst durch eine Mischung der germanischen Stämme gelang schließlich eine dauerhafte Befriedung des Gebietes. Mit dem Untergang des Imperium Romanum dringen Franken in unser Gebiet ein und siedeln schließlich während der großen Völkerwanderung.

Kaiserpfalz und Normannenkriege

In unmittelbarer Nähe zu Herzogenrath entstand das Zentrum des Frankenreiches. Dieses Reich umfasste zur Zeit Kaiser Karls halb Europa.  Er ließ nicht nur seine Pfalzkapelle in Aachen errichten, sondern versammelte an seinem Hofe zahlreiche führende Gelehrte und Künstler. Bildung war für Kaiser Karl immens wichtig, so dass auch ein Impuls für die Region vom Hofe ausging. Anders als Kaiser vor und nach ihm war er nicht der klassische Reisekaiser, der das Reich ständig durchzog, sondern hielt sich über einen ungewöhnlich langen Zeitraum in Aachen auf. Nach seinem Tod 814 und der späteren Erbfolge an seine drei Enkel, zerfiel das Reich jedoch schon bald wieder.

Unter karolingischer Herrschaft gelangten zahlreiche Geistliche und Adlige zu großem Wohlstand. So kam es, dass aus dem Norden die Normannen, Nordmänner oder auch Wikinger genannt, sich auf den Weg machten, um Europa zu plündern. Es klingt erstaunlich, aber bei ihren Beutezügen drangen sie weit ins Landesinnere vor. Um etwa 880 überfallen sie Tongeren, Maastricht, Lüttich und Köln. Aachen ergibt sich sogar widerstandslos. In unserer Region kommt es zu einer Umstrukturierung der Machtverhältnisse. Als die Beutezüge der Normannen schließlich um etwa 1000 n.Chr. enden, entstehen zahlreiche neue Burgen. 1104 wird Burg Rode erstmalig erwähnt, in den annales rodenses, den Jahrbüchern des Klosters Rolduc. Adalbert von Saffenberg wird als Besitzer der Burg Rode zuerst genannt. Klosterannalen entstehen aus der Notwendigkeit heraus, den Termin des Osterfestes auch in Klöstern berechnen zu können. Der Mönch Dionysius beschäftigt sich im Jahr 525 mit einem Kalendarium, was in Klöstern die Arbeit erleichtern soll. Zur Errechnung benutzt man bis heute den 19-jährigen Metonischen Zyklus. Dionysius Exiguus  ergänzt seine Tafeln zunächst durch die Jahresangabe anni ab incarnatione Domini, also um die Jahre nach Geburt des Herren. Damit wird sein Kalender verständlicher und „international“. Andere Datierungsmethoden waren nämlich bis dato unter anderem beispielsweise die Nennung des Herrscherzeitraums etc., was ebenfalls zu Problemen führte. Bei den Inkarnationsjahren kam man der Vereinheitlichung näher, auch wenn der Jahresbeginn nach wie vor nicht einheitlich war. Der englische Benediktinermönch Beda Venerabilis ergänzt die Ostertafeln von Dionysius um einem zweiten vollständigen alexandrinischem Zyklus und verhalf somit der neuen Zeitrechnung zu einem innerkirchlichen Durchbruch. Aus den Kalendarien, die zur Errechnung des Osterfestes angelegt wurden entstanden durch Randnotizen langsam Annalen, also Jahrbücher. Die annales rodense des Klosters Rolduc sind für die Region enorm wichtig als mittelalterliche Quelle. 

Herrschaft Saffenbergs

Wann genau die Haupttrasse der römischen Heerstraße durch Herzogenrath umgeleitet wurde ist ungesichert. Wahrscheinlich erfolgte diese Umlegung aber aus strategischen Gründen, da eine Höhenburg im wasserreichen Umfeld von Burg Rode ideal zu verteidigen ist. Hier wurde eine Zollstelle eingerichtet, und Handelsleute mussten hier für die Überquerung bezahlen. Der Zoll war Schutzgeld für die Sicherheit der Händler und gleichzeitig wurde davon der Straßenausbau finanziert. Zudem verlieh diese Zollstelle dem Landesherren auch sehr viel Macht und Einfluss, da er nicht nur Geld in die Kassen spülte, sondern auch gewisse Kontrollmöglichkeiten auf Warenverkehr in andere Landesteile erlaubte. Die Saffenberger schufen gleichfalls die historische Beziehung der Stadt Herzogenrath zu Mayschoss an der Ahr. Dort hatten sie ihren Familienstammsitz auf einer gewaltigen Höhenburg (der Saffeburg) im Ahrtal. (Nähere Informationen hierzu finden sie auf der Seite des Fördervereins Saffenburg. Klicken sie hier.) Zahlreiche Schenkungen an das Kloster Rolduc ließen über Jahrhunderte hinweg den Kontakt zu Herzogenrath wachsen, da in Mayschoss der Klosterwein gekeltert wurde.

Festzuhalten bleibt, dass schon die Saffenberger Burg Rode nicht als Wohnburg, sondern lediglich als Zollburg nutzten. Dies sollte sich lange Zeit nicht ändern. Auf den Stand der Saffenberger im Reich gehe ich im folgenden Kapitel mit ein.

Herrschaft der Herzöge von Limburg

Die begehrte Zollstelle schürte bei zahlreichen Adelshäusern der Region immer wieder Neid. Es kam zu kriegerischen Auseinandersetzungen der Saffenberger mit den Herzögen von Limburg, wobei auch die hölzerne Kirche von Kerkrode (Kerkrade) niedergebrannt wurde. Gleichzeitig befand sich das Haus Limburg jedoch in einer fundamentalen Krise. Das Haus Limburg war aus dem Königshof Baelen hervorgegangen, zunächst als Grafschaft gegründet worden  und schließlich mit dem Herzogtitel von Niederlothringen belehnt worden.

Während der erste Graf von Limburg noch dabei war sein Reich zu festigen und weiter auszubauen, trachtete sein Sohn, Heinrich I, bereits danach es auch territorial zu erweitern. Er galt allgemein als Unruhestifter der Region. Dennoch wird das Herzogtum Lothringen 1101 durch Heinrich IV an ihn übertragen. Beim Streit zwischen Kaiser Heinrich IV und seinem Sohn Heinrich V stand Heinrich I von Limburg jedoch auf Seiten von Kaiser Heinrich IV und hatte sich zusammen mit seinem eigenen Sohn Walram erfolgreich hervorgetan. Nach Ableben von Kaiser Heinrich IV hatte jedoch Heinrich I von Limburg nicht viel vom Kaisererben Heinrich V zu erwarten, da er zuvor auf Seiten dessen Vaters gegen ihn gekämpft hatte. Die Folgen waren verheerend für das Hause Limburg. Heinrich I wurde gefangen genommen und Heinrich V übertrug Amt und den Titel Herzog von Lothringen an Gottfried I von Löwen. Hierin liegt der brabantisch-limburgische Antagonismus begründet. Das Blatt für die Limburger wendete sich erst auf einem Hoftag zu Aachen im Juni 1128, als König Lothar zu Supplingenburg, der kurz zuvor erst zum König gewählt wurde, nicht dem Hause Brabant die Herzogwürde von Lothringen zuwies, sondern Walram von Limburg. Da aber Brabant ebenfalls nicht auf den Herzogtitel verzichten wollte und Walram von Limburg den Herzogtitel auch an seinen Sohn Heinrich II von Limburg mit Einverständnis König Lothars weitervererbte, gab es zeitweise sogar drei Herzöge in Niederlothringen. Da kam den Limburgern eine Gebietserweiterung durch geschickte Hochzeitspolitik gerade Recht. Es kam zur Hochzeit zwischen der Gräfin Mathilde von Saffenberg mit Heinrich II von Limburg 1136. Mitgift war unter anderem Merkstein, aber wichtiger noch war der gleichzeitige Erwerb der Herrschaft Rode mit dem Kloster Rolduc durch die Limburger. Auf diese Weise festigten die Limburger durch Heirat ihre Stellung als bedeutsames Adelshaus, durch einen mächtigen Bündnispartner im Haus Saffenberg. Das Haus Saffenberg erhält anders als bisher häufig dargestellt erst 1122 die Grafenwürde dauerhaft und zwar durch Hochzeit Adolf von Saffenberg mit Margarethe von Rötz, deren Onkel wiederum Friedrich I von Schwarzenburg war, Erzbischof von Köln zwischen 1100 und 1131. Der Kölner Bischof verleiht die Grafenwürde quasi als Absicherung für seine Nichte dauerhaft. In den annales rodenses zum Jahr 1122 heißt es hierzu:

  • Eodem anno conduxit conubio Adolphus comes Margaretam, que neptis erat Friderici, Coloniensis archiepiscopi, nata de Suarcenburch castro Bawarie, quod situm est iuxta terminos Boemie, de quo etiam castro constat ipse Fridericus fuisse. Adhuc non erat Adolphus comitatu insignitus sed cum nepte dedit illum ei Fridericus.
  • Frei übersetzt lautet der Text:
  • Im selben Jahr heiratete Adophus Margaret, eine Nichte von Fridericus, dem Kölner Erzbischof, welche auf Burg Schwarzenbruch in Bayern, was an der Grenze des Gebietes Böhmen liegt. Von dieser Burg stammt sogar Fridricus selbst. Bis dahin war Adolphus nicht mit dem Titel Graf  bekleidet, weshalb ihm Fridericus diesen Titel verlieh, als er ihm seine Nichte gab. [Komitat ist die Bezeichnung für die Grafenwürde seit der Spätantike. Der Titel ist dem lat. comes = Begleiter entlehnt]
  • Den Wunsch der Limburger endlich in den Hochadel aufzustreben, kann man unter anderem auch daran erkennen, dass Heinrich II. schon bald nach Mathildes Tod eine neue Ehe einging. Er ehelichte Lauritta von Flandern, Tochter Dietrichs von Elsaß. Dietrich hatte seit 1128 die flandrische Grafenwürde inne. Er stand dem Stand eines Herzogs im Reich vom Ansehen und von der Macht her sicherlich in nichts nach. Die junge Ehe wurde jedoch wegen angeblich zu naher Verwandtschaft schon bald wieder gelöst. Tobias Weller, der in seinem Buch „Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert“ auch die Entwicklungen in unserer Region untersucht, kommt für das Haus Limburg zum Ergebnis, dass das Geschlecht der Limburger seitens der reichsfürstlichen Herzöge und Marktgrafen weitestgehend gemieden wurde. (vgl. Weller, Tobias. Ebenda, S. 532 ff.) Dies lässt Rückschlüsse auf den Stand der Limburger innerhalb des Reiches zu und verdeutlicht abermals die Auseinandersetzungen um den Herzogtitel von Lothringen, sowie die Ansprüche auf Burg Rode. Die einzigen Ehen, die hier eine Ausnahme erkennen lassen, sind die besagte Ehe mit Lauritta von Flandern, die schnellstmöglich wieder gelöst wird und die Ehe zwischen Gottfried III. von Löwen mit Margarete von Limburg 1155. Hierzu ist allerdings zu sagen, dass diese Ehe bloß „Produkt des Ausgleichs war, zu dem Limburger und Löwener fanden, nachdem sie über fünfzig Jahre hinweg wegen des Streits um die niederlothringische Herzogswürde in einem angespannten Verhältnis zueinander gestanden hatten.“(Weller, Tobias. Ebenda, S. 532.) 

Wie wichtig Burg Rode für die Limburger Reichspolitik gewesen sein muss, kann man an mehreren Fakten festmachen:

Im Mord an Erzbischof Engelbert von Köln spielen Limburger Interessen eine maßgebliche Rolle. Die Frau Graf Friederichs von Isenberg, der später als der Hauptschuldigen verurteilt werden sollte, war Sophia die Tochter Walrams von Limburg, der wiederum eine Fehde mit dem Kölner Erzbischof austrug. Zwar ging es im Kern der Auseinandersetzung um die Rückübertragung der Laienvogteien an die Bistümer, wie vom Papst gefordert, aber unterschwellig ging es auch um andere Rivalitäten. Friederich, Dietrich und Engelbert von Isenberg treffen in Soest 1225 mit Engelbert von Köln zusammen, um diesen zur Umkehr seiner Pläne zu bewegen. Was genau geschah bleibt unklar obwohl die vita s. Engelberti hierzu ausführliche Schilderungen abgibt, die aber eher dazu dienen Engelbert als Helden dastehen zu lassen. (vgl. Caesarii vita s. Engelberti lib. 2.cap.2). Vermutlich misslingt die Gefangennahme Engelberts und bei einem Tumult wird dieser am 7.November 1225 erschlagen. Die Nachricht breitet sich wie ein Lauffeuer aus. Ein Blick auf dieses Ereignis alleine genügt freilich noch nicht, um auch Walram von Limburg zu einem Initiator dieser Ereignisse zu machen, doch bereits 3 Tage nach dem gewaltsamen Tod Engelberts bricht Herzog Walram mittelalterliches Recht, indem er die Feste Valenz, welche Engelbert in Herzogenrath gegenüber von Burg Rode errichtet hatte, schleifen lässt. Folgerichtig wird auch Sophia als Hauptanstifterin der grausamen Tat betrachtet. (zur Vertiefung, vgl. Kohl, Wilhelm. Das Bistum Münster: Die Diözese, Band 7, S. 293.)

Burg Valenz wurde früher häufig in den Bereich von Worm Wildnis verortet, aber es fehlen bisher verlässliche Quellen, dass dieser Bereich zu dem Zeitpunkt 1216 auch wirklich in das Territorium des Bistums Köln gehörte.  Dr. Louis Augustus vermutete sie als Vorgänger von Burg Wilhelmstein in Bardenberg. An diese Thesen habe ich nie geglaubt und mich schon sehr früh mit Dr. Augustus inhaltlich diesbezüglich auseinandergesetzt. Inzwischen habe ich ein bisher unbekanntes Bodendenkmal ausgemacht, was auch vom Landesverband Rheinland (LVR) bestätigt wurde. Bei Erdarbeiten in diesem Bereich trat Brühler Steinzeug zum Vorschein, was aus dem 13. Jahrhundert stammt. Burg Valenz wurde 1216 von Engelbert von Köln in Herzogenrath erbaut und schon 1225 nach seiner Ermordung geschleift. Insofern passen die Fundstücke in die zeitliche Einordnung. Es wäre schon eine kleine Sensation, wenn sich meine Vermutung bewahrheitet.  Der LVR hat zugesagt sobald Mittel zur Verfügung stehen eine Probegrabung vorzunehmen, um das vermeintliche Bodendenkmal  zu untersuchen. Auch seitens der Behörde ist das Interesse an der Fundstelle groß. Die Burg wäre eine Niederungsburg. Egal welches Bodendenkmal dort ruht, es gab auf jeden Fall Grabensysteme, die Wasser führten und die man heute noch in der Geländetopografie erkennen kann. Da Raubgrabungen zu befürchten wären, wenn man den Standort vor einer Sicherung der Ausgrabungsstätte publiziert, sehe ich davon ab hier auf den genauen Standort und weitere Belege für meine These einzugehen.

Münz- und Stadtrechte

Im Jahr 1282 billigte König Rudolf von Habsburg dem Grafen Reinald von Geldern, dass die Münzen des Herzogtums Limburgs fortan auch in Herzogenrath, welches schon Stadtrechte besaß gepunzt werden durften. Die Urkunde hierzu ist gleichzeitig die erste urkundliche Erwähnung von Herzogenerath als s´Hertogenrode oder Roda Ducis. Nach dem Tod von Walram von Limburg vergab Rudolf von Habsburg 1282 das Erbe von Limburg an den Herzog Reinald von Geldern, der wiederum mit Walrams Tochter verheiratet war. König Rudolf belehnte Reinald von Geldern zudem mit dem Herzogtitel Herzog von Niederlothringen, welcher ja wie erwähnt an das Territorium Limburg gebunden war. Im Rahmen dieser Belehnung verlieh König Rudolf Burg Rode und Herzogenrath Stadt und Münzrechte. Interessant ist, dass nun erstmalig urkundlich von roda ducis gesprochen wird. Die erstmalige Bezeichnung als s´Herteogenrode oder Rodung des Herzogs, muss auch vor dem Hintergrund der zuvor angeführten Diskussion um den Herzogtitel des Hauses Limburg gelesen werden. Erst nach dem Ende der Limburger Dynastie und mit Übertragung der Besitzung auf eine andere Adelsdynastie wird urkundlich auch der Herzogtitel auf die Besitzung übertragen. Meiner Meinung nach stellt die späte Einführung des Herzogtitels bei der Ortsbezeichnung ein deutliches Indiz für die strittige Stellung des dauerhaften Herzogtitels der Limburger im Reich dar, der im Einklang mit der bereits angesprochenen Hochzeitspolitik des Hochadels in unserer Region steht.

Herrschaft der Herzöge von Brabant.

Die Hintergründe für die Schlacht von Worringen in aller epischen Breite zu erläutern, würde zu weit führen und vor dem Hintergrund der Stadtgeschichte auch an der Sache vorbei gehen. Es gibt jedoch einige interessante Punkte, die einer näheren Betrachtung bedürfen. Zunächst können wir festhalten, dass die Schlacht von Worringen einen Erbstreit um das Erbe des Hauses Limburg entschied. Nachdem 1282 mit Reinald von Geldern noch eine Lösung gefunden worden war, die weitestgehend einvernehmlich war, traten mit dem Tod seiner Frau Irmgard Probleme auf. Sie verstarb nämlich bereits ein Jahr nach der Hochzeit und die Ehe blieb kinderlos. Über die Frage, ob das Erbe über die weibliche Linie fortgeführt werden konnte, wenn keine männlichen Erben existierten oder über die die nächsten männlichen Verwandten weitergeführt werden musste, gab es im Lehnrecht immer wieder Streit. Mit Irmgards Tod machen gleich mehrere Verwandte das Erbe für sich geltend. Hierzu zählen unter anderem Adolf V. Graf von Berg Heinrich von Luxemburg, dessen Bruder Walram von Ligny, Walram von Valkenburg, Walram von Jülich etc. etc. Es entstanden Befürworter des Besitzes von Reinald von Geldern, sowie Gegner, die das Erbe Limburgs im Kern an Brabant vergeben wollten. Was gab es aber in Limburg, was so interessant war für die Großen des Reiches? Kohle spielte noch keine Rolle, Rohstoffe anderer Art waren auch nicht vorhanden, aber angesichts wichtiger Handelsrouten, konnten Zollstellen enorme Einnahmen bedeuten, was immer auch mit Neid verbunden war. Die Schlacht von Worringen ordnete die Besitzverhältnisse in Niederlothringen komplett neu und entschied auch die Besitzverhältnisse am Land von Rode und damit unter anderem auch über die Zolleinnahmen aus der Rodastadt. Nachdem es Jahrhunderte lang immer wieder kriegerische und juristische Auseinandersetzungen über die Herrschaft Rode gegeben hatte, zeichnete sich nun eine Lösung ab. Johann I von Brabant zählte zu den glücklichen Siegern der Schlacht. Fortan gehörte auch die Herrschaft Rode zu Brabant und wurde von Brüssel aus regiert. Zudem waren die Brabanter gleichzeitig Herrscher über Valkenburg und das Land von Dahlem geworden. Diese drei zusammen bezeichnete man als die drei Länder Overmaas. Jedoch waren die Länder Overmaas aufgrund verschiedener Faktoren nicht so rentabel wie ursprünglich gedacht. Brabant musste hohe Investitionen tätigen, um die Infrastruktur auch der Verwaltung erstmal wieder herzustellen. Herzogenrath wurde zum Hauptort im Land von Rode. Da im Artikel von Wikipedia zu Burg Rode auch mein Name angeführt wird im Zusammenhang mit Zolleinnahmen von Burg Rode, möchte ich von meiner Seite den Artikel etwas ergänzen. Ich möchte an dieser Stelle die These wissenschaftlich untermauern: Alois Meisen legte 2003 an der RWTH Aachen eine Dissertation mit dem Thema: „Brabant, Limburg und die Übermaasländer – Eine Studie zur territorialen Finanzgeschichte bis zum Ende des 14. Jahrhunderts“ vor, die auch für Herzogenrath wegweisend Zahlen beinhaltet und die angesprochenen Fakten offenkundig macht. An dieser Stelle zu vertiefend auf die Dissertation und ihre hervorragende Erarbeitung verschiedener Währungen, die Bedeutung für unsere Region etc. einzugehen, würd zu weit führen, aber ich möchte die Dissertation nutzen, um die Rechnungen der Länder Sprimont, Valkenburg, Rode und der Herrschaften Millen, Gangelt und Waldfeucht miteinander zu vergleichen, um daran aufzuzeigen, welche Bedeutung dem Land von Rode eigentlich zukommt. Im von Meisen geprüften Zeitraum Johannes Baptist 1396 bis zum Johannistag 1397 betragen alleine die Einnahmen aus dem Straßenzoll aus dem Lande von Rode 8567 Mark, 2 Schilling und 6 Pfennig (vgl. Meisen, ebenda, S.204) bei Gesamteinnahmen in Rode in Höhe von 10.025 Mark, 7 Schilling und 4 Pfennig (S. 204) machen sie einen wesentlichen Faktor aus. Die Gesamteinnahmen aus den übrigen Limburger Landesteilen betragen:

Limburg = 5083 Mark, 4 Schilling und 8 Pfennig (S.190).

Die Summe der Einnahmen in Valkenburg beträgt 1115 Franken 20  limburgische Pfennig was in etwa einem Gegenwert von 5129 Mark, 9 Schilling und 2 Pfennig (falls ich mich nicht verrechnet habe) bei einem Umrechnungskurs von 1 Franken zu 4 Mark und 6 Schilling Aachener Geldes, den auch Guillaume de Gheetsem, der Generaleinnehmer des Herzogentums Limburg als Umrechnungskurs für seinen Herren benutzte (S.195.) 

Die Gesamteinnahmen von Millen, Gangelt und Waldfeucht (Selfkant) betragen 5480 Mark, 3 Schilling, 11 Pfennige (s. 276.). 

Diese Aufschlüsselung im Verhältnis zu Teils großen Gebieten sollte ausreichen um zu zeigen, dass die Besitzung Rode im Verhältnis der übrigen limburger Territorien sehr bedeutend war. Alleine der Straßenzoll übertrifft die Gesamteinnahmen der aufgeführten Teilgebiete.

Ursachen für den Achzigjährigen Krieg

Mit der Übertragung der Gebiete an den Herzog von Burgund begann eine neue Ära. Langsam aber sicher erfolgte immer mehr eine Integration der Burgundischen Niederlande in das entstehende habsburgische territoriale Gefüge. Etwa um 1500 umfassten die Burgundischen Niederlande einen Bereich der heutigen Benelux Staaten nebst Teilen von Nordfrankreich. Das Land von Rode gehörte mit dazu. Durch Zweckheirat von Maria von Burgund und Maximilian von Österreich trat das Haus Habsburg im Jahre 1477 die Erbfolge der Burgunder an. Viele der niederländischen Generalstaaten opponierten gegen eine Einverleibung in die Habsburgischen Niederlande, jedoch anfangs ohne größere Unterstützung der Bevölkerung.

Erst Kaiser Karl V (zugleich Deutscher König, Herr der Niederlande und König von Spanien) gelang es alle Generalstaaten zu vereinen und politisch zu verknüpfen. Dies erreichte er jedoch teilweise nur durch kriegerische Auseinandersetzungen. Hinzu kam, dass der von Luther in die Wege geleitete Protestantismus in den niederländischen Generalstaaten schnell viele Anhänger fand in Form des Calvinismus. Diese zunächst kleine Anhängerschaft, war bereits in der Mitte des 16. Jahrhunderts zum Hauptgegner der Inquisition aufgestiegen. Ihre Anhänger überzeugten nicht nur durch eine effektive Organisation, sondern auch durch ihren Bekehrungseifer und ihre radikale Staatsauffassung. Für sie galt der Widerstand gegen die Obrigkeit solange als gerechtfertigt, bis auch sie vom “wahren” Glauben bekehrt sei. Hiergegen ging Karl V mit absoluter Brutalität vor, da er streng katholisch war. So erließ er beispielsweise 1550 den Blutedikt. Die hierauf folgenden blutigen Gerichtsurteile endeten nicht selten in Hinrichtungen und Vertreibung der Protestanten aus ihren angestammten Gebieten. In Roda zählten etwa 100 Protestanten dazu. Die meisten von ihnen waren Mitglieder der Bürgerwehr und waren in zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen kampferprobt. Sie verließen schließlich die Stadt zusammen mit ihrem protestantischen Pastor und zogen in die neue Hauptstadt des Reiches nach Gulpen. Zwar mussten die spanischen Niederlande für die meisten Kriege von Karl V gegen Frankreich und das Osmanische Reich enorme Summen aufbringen, doch wurde die spanisch-habsburgische Herrschaft nicht grundsätzlich in Frage gestellt, da Karl V im Gegenzug die meisten ständischen Privilegien duldete. In dieser Zeit herrschte in Herzogenrath Herzog Johann III, der Friedsame, der von Karl V 1355 eine goldene Bulle erhielt. Diese Bulle garantiert das Sonderrecht der Einwohner von Limburg, Herzogenrath und Brabant, wodurch diese Schutz genossen vor Richtern des römischen Kaiserreiches. Sie durften weder festgenommen, richterlich befragt noch verurteilt werden. Diese Privilegien waren in der damaligen Zeit eine Besonderheit.

Philipp II. bekam die Niederlande 1555 übertragen, womit sich auch die politische Lage im Land grundlegend veränderte. Seine frühabsolutistischen Herrschaftsintensivierungen stießen vor allem beim niederländischen, politischen Hochadel auf Widerstand, da sich der Hochadel mehr und mehr von der realen Machtausübung ausgeklammert sah. Die Vertreterin von Philipp II. war nach dessen Abreise nach Spanien im Jahr 1559 Margarete von Parma, die aber wiederum nur ihre engsten Berater bei wichtigen Entscheidungen heranzog, ohne den lokalen Adel mit einzubeziehen. Für die Niederländer waren zwei Bereiche ausschlaggebend im Widerstand gegen die spanische “Fremdherrschaft”. Zum einen war es die unerbittliche Ketzerverfolgung, zum anderen die permanente Anwesenheit von spanischen Truppen in weiten Landesteilen, die eher an eine Besetzung erinnerten. Das Truppenkontingent wurde jedoch abgezogen und durch niederländische ersetzt. Dies war günstiger als eine “Fremdarmee”, die von den Niederlanden finanziert werden musste. Die Kriege von Philipp II von Spanien mit Frankreich belasteten zudem Wirtschaft und Land stark, ohne den niederländischen Interessen zu dienen. Die Ketzerverfolgung blieb hingegen. Die überwiegend protestantischen Niederlande sollten unter Zwang den Weg zum “rechten Glauben” zurück finden und wieder katholisch werden. So war es nicht verwunderlich, dass besonders die Pläne zur Einsetzung neuer Bistümer auf heftigen Protest stießen. Drahtzieher im Hintergrund war Granvelle, der 1561 zum Kardinal ernannt wurde und somit auch Primas der Niederlande wurde. Zudem schuf man drei neue Erzbistümer mit Mechelen, Cambrai und Utrecht mit insgesamt 14 Bistümern. Hierin lag der Versuch die Niederlande zu einer eigenen Kirchenprovinz zu machen, womit die bisherige Unterordnung unter Köln und Reims aufgelöst werden sollte. Was den niederländischen Adel aber noch mehr aufregte, als die Tatsache nicht befragt worden zu sein, war die Tatsache, dass man künftig nur noch studierte Theologen ordiniert werden sollten, womit gleichzeitig die Einnahmequelle des Bischofsamt für den Adel wegfiel. Gleichzeitig versuche Philipp II. mit dieser stärkeren Kontrolle vor Ort, die Inquisition im Land institutionell zu verankern. Diese war Aufgabe der Bischöfe und die mehrheitlich protestantischen Niederländer fürchteten sich vor den Auswirkungen der Intensivierung. Somit verzögerte sich die Gründung einer selbstständigen niederländischen Kirchenprovinz aufgrund des Widerstandes der Niederländer bis etwa 1570. Die starke niederländische Opposition im Hochadel geführt von Wilhelm von Oranien-Nassau verließ demonstrativ den Staatsrat und auch Margarete von Parma wollte fortan nicht mehr mit Granvelle zusammenarbeiten. Dies führte 1564 zu dessen Abberufung durch Philipp II in Brüssel. Dennoch blieb Philipp II uneinsichtig bei seinem Kurs, die Gegenreformation mit aller Härte durchzusetzen. Nachdem sich 1566 Teile des niederen Adels zusammenschlossen und von Margarete von Parma das Ende der Glaubensverfolgung verlangten, was sie nicht durchsetzen konnte, folgte Ende 1566 die Forderung nach völliger Religionsfreiheit und die Übertragung der Regierung an einheimische Edelleute. In dieser Forderung verbanden sich nun die wesentlichen Faktoren der politischen wie religiösen Unabhängigkeit zu einem gefährlichen Konflikt für die spanische Herrschaft. 1568 gingen die anfänglichen Unruhen in den 80. jährigen Krieg über.

Die Pestkapelle auf der Kleikstraße

Inmitten dieser Unruhen brachen Seuchen aus, die die Gegend um Herzogenrath betrafen. Der Legende nach wurde 1608 die Herzogenrather Kapelle in der Kleikstraße gebaut. Sie wird in der Landbevölkerung häufig Pestkapelle genannt, ohne dass es für den Bau oder diese Bezeichnung eine Quelle gäbe. Die Kapelle ist von außen sehr schlicht gehalten und eher unauffällig. Im inneren gibt es einen Barockaltar mit einem Standbild der Mutter Gottes. Sie wird in diversen Quellen aus dem 17. Jahrhundert benannt. Im historischen Kontext der Reformation kommt es zu Auseinandersetzung zwischen den Religionen. Über die chaotischen Zustände des Religionsstreites in Aachen wird 1582 vor dem Augsburger Reichstag verhandelt. Willkür und Zerstörung greifen um sich und auch Herzogenrath bleibt hiervon nicht verschont. Zehn Einwohner des Ländchens werden wegen angeblicher Unruhestiftung mit Einzug ihres Vermögens bestraft, einer fand sogar den Tod auf dem Scheiterhaufen. Die Spanier hielten Burg Rode gegen die anrückenden Niederländer und drangsalierten das Umland während der Gegenreformation. Daraufhin sollen einige Herzogenrather der Mutter Gottes geschworen haben eine Kapelle zu errichten und jeden Samstag mit brennenden Kerzen zu schmücken, wenn sie die Stadt bald vom Elend befreien würde. Schon bald wurden die Verhältnisse besser und man erbaute die Kapelle. 1635/36 soll dann der Schwarze Tod im Umland gewütet haben. Belege für eine Pestepidemie im Aachener Raum habe ich nicht gefunden, wobei genügend Quellen von Pestepidemien während des 80. – und 30. Jährigem Krieg berichten. Wieder versammelten sich die Herzogenrather an der Kapelle und flehten in allabendlichen Bittandachten die Mutter Gottes an, sie zu verschonen. Wie durch ein Wunder wurde niemand durch den Schwarzen Tod dahin gerafft. Es kam wie es kommen sollte und die Kapelle steht heute noch… Wie auch immer man zu dieser netten Geschichte stehen mag, belegbar ist sie nicht. Es mag aber auch möglich erscheinen, dass im Rahmen der Gegenreformation gerade der Marienkult an dieser Stelle gefördert wurde, da hierin natürlich ein Abgrenzungskriterium zur protestantischen Kirche plausibel erscheint und auch die Pfarre Sankt Marien bereits der Mutter Gottes geweiht ist. Gleichwohl folgen die Herzogenrather dem alten Brauch und schmücken den Altar der Kirche jeden Samstag mit frischen Blumen und brennenden Kerzen. (vgl. hierzu vertiefend: Steinbusch, Jakob. Aus alten Akte und Urkunden 1104-1974. Von Sankt Lambertus Kerkrade bis Sankt Marä Himmelfahrt Herzogenrath, S. 54f.)

Habsburg, Franzosen, Preußen

Mit dem Westfälischen Frieden 1648 werden auch die Niederlande eigenständig. Die einstigen Stadthalter aus dem Hause Oranien werden Könige und vorerst kehrt Ruhe in der Region um Herzogenrath ein. Für Burg Rode ändert sich nichts. Sie wurde 1544 von den Habsburgern zurück gekauft und bleibt in deren Besitz bis die Franzosen letztlich mit Napoleon Bonaparte erneut Krieg in die Region tragen.

Burg Rode dient letztmalig militärischen Zwecken und wird Feldlazarett für die französische Armee. Dies erspart ihr letztlich eine Schleifung durch die Franzosen. Burg und Gebiet von Rode werden von 1794 bis 1814 unter französische Verwaltung gestellt. Bis der Wiener Kongress der gemeinsamen territorialen Geschichte von Herzogenrath und Kerkrade erstmalig ein Ende setzt.

Im Wiener  Kongress 1814/1815 wurden Herzogenrath und Kerkrade willkürlich auseinander gerissen. Kerkrade fiel an die Niederlande während Hezogenrath Preußen zugesprochen wurde. Damit wurden nicht nur zusammenhängende Kulturdenkmale, wie etwa die Burg-Rode und das Kloster Rolduc auseinander gerissen, sondern auch Familien. Die Auswirkungen dieser politischen Entscheidung zeigen sich auch heute noch. So hat die Pfarrei Sankt Mariä Himmelfahrt in Herzogenrath heute noch Land in den Niederlanden und das Kloster Rolduc noch lange Land in Mayschoss, wo die Grafen von Saffenberg einst saßen, die 1104 den Bau des Klosters ermöglichten. Der Rolducer Wald, der heute zu den Niederlanden zählt, ist beispielsweise in Teilen Pfarrwald von Sankt Marien. Anders herum, brachten die Mönche des Klosters Rolduc ihre „Schätze“ vor den anrückenden Franzosen in Sankt Gertrud und Sankt Marien in Sicherheit. So landeten kostbare mittelalterliche Gewänder, Sakralgegenstände und kostbare Bücher in den Besitz der deutschen Pfarreien, die die Gestände seit Pastor Dr. Rodheudt gewissenhaft behütet. In meiner Zeit als Messdiener in Sankt Marien lagen viele der mittelalterlichen Bücher noch in einem verstaubten Schrank oberhalb der Sakrestei und die Gewänder wurden aus Unwissenheit noch als Verkleidung bei den Sternsingern genutzt. Pastor Rodheudt ließ die Gewänder und Bücher teilweise in Zusammenarbeit mit meinem Vater überarbeiten und restaurieren und führte sie erneut einer sakralen Verwendung zu bzw. sicherte die Bücher fachgerecht. Frau Grete Esser arbeitet seit Jahren das Pfarrarchiv auf. Diese Arbeit ist gar nicht aufzuwiegen mit Geld oder Auszeichnungen. Es ist eine wahre Lebensaufgabe, die sie auch im hohen Alter mit Hingabe verfolgt.

Viel problematischer als die gerade genannten Auswirkungen des Wiener Kongresses sind die rechtlichen Auswirkungen. Bis vor  wenigen Jahren war die Neustrasse in Herzogenrath noch durch eine Mauer getrennt. Die linke Hälfte war niederländisch und die rechte Hälfte deutsch. Mittlerweile ist die Mauer nicht mehr vorhanden und die Strasse mehr oder minder international. Kreisverkehre mögen dem europäischen Gedanken Rechnung tragen. So verschwimmt nicht nur die letzte Grenze in Form einer Fahrbahnmarkierung, sondern die Mittelfläche kann auch für verbindende Kunst genutzt werden. Problematisch wird indes die Situation bei einem Unfall im Kreisverkehr, denn welche Behörde (NL oder D) sich für zuständig hält ist Glückssache, ganz zu schweigen von den kommunalpolitischen Problemen der Beschilderung. Zwar zeigen die Schilder in einem vereinten Europa weitestgehend dasselbe Zeichen, dort sind die Schilder nicht alle gleich groß, so dass hier der europäische Gedanke an nationalen Vorschriften krankt. Der eigentliche Grund für die Trennung in zwei Staaten war 1815 die Kohle, diesmal im eigentlichen Sinn. Unter Herzogenrath und Kerkrade liegen große Steinkohlereviere, die im 19 Jahrhundert schon abgebaut wurden. Bis zur Wurm gilt auch heute noch niederländisches Bergrecht, während ab der Wurm (von der Burg aus gesehen) heute deutsches Bergrecht gilt. Die Konsequenz hieraus kann heißen, dass es für Häuser auf Seiten der Burg heute keine Entschädigung mehr gibt während man in Richtung Rathaus gegebenenfalls noch Glück haben könnte. 

Sie sehen, eine Stadt, die sich heute wie in ihrer Geschichte immer Mühe um das Miteinander gab und deswegen ein Musterbeispiel für Europa ist.

Burg Rode von Privat zu Verwaltungssitz hin zum Burg Rode e.V.

Die Preußen hatten für die Burg keine Verwendung. Militärisch war sie schon seit dem 15. Jahrhundert strategisch unbedeutend geworden, da sie nicht gegen schwere Geschütze gerüstet war. Folglich verfiel die Burg immer weiter und wurde von den Herzogenrather dankbar als Steinbruch genutzt. 1877 beendete den stetig voranschreitenden Zerfall der Herzogenrather Nadelfabrikant August Schmetz indem der die Burg erwarb. Er ließ die Dächer der Seitenbauten und des Turmes erneuern und gab dem Turm seinen heute charakteristischen Zinnenkranz. Schon bald verkaufte er Burg Rode aber erneut an Ahlemeyer, einem Ingenieur, der 1903/1904 Professor Buchkremer mit dem weiteren Ausbau der Burganlage beauftragte. Für 20.000 Mark werden neue Räume geschaffen und eine Wohnung für den Pförtner integriert. Aus dieser Zeit stammen unter anderem der Treppenaufgang zum inneren Burghof, die Grotte links daneben die Verfüllung des Burghofes, Teile der kleineren Türme und Erker an den Palasten. Auch die Verputzungen im Kellergewölbe stammen aus dieser Umbauphase, denn bei jüngsten Sanierungen von Wasserschäden, fanden wir im Keller an der Decke Zeitungsauschnitte einer Berliner Zeitung aus genau diesem Zeitraum. Der Treppenturm, den wir heute für alle Führungen benutzen, sowie der Stuhlraum zwischen Verlies und Burgzimmer stammen ebenfalls aus diesen Umbaumaßnahmen. Vor dem 1. Weltkrieg ging die Burg auf die Stadt Herzogenrath über. Erneut fanden Umbaumaßnahmen statt. Es wurden Amtsräume und die Wohnung des Bürgermeisters untergebracht. Wo später die Fässer von Mayschoss standen, wurden Baracken des Einwohnermeldeamtes hingestellt. Man konnte nur von vorne hinein und es gab keinen Durchgang zur Burg selbst. Ging man die Treppe an der Ostseite hoch, kam man von den Baracken aus zur Polizei und zum Ordnungsamt, die im unteren Bereich untergebracht waren. Erst als die Kommunale Neugliederung die Eigenständigkeit von Kohlscheid und Merkstein beendete und beide Ortsteile zu Herzogenrath-Mitte kamen, brauchte man ein neues, großes Rathaus. Man baute die Stadtverwaltung neu und restaurierte in den 80. Jahren die Burg komplett. Alle Verwaltungsspuren wurden entfernt.

Nach der letzten Renovierung der Burg wurde sie dem Verein Burg Rode e.V. übertragen. Heute sind wir Eigentümer der Burg und verwalten sie eigenständig. Sie hat 3 Mietwohnungen und seit kurzem kann man auch die Räumlichkeiten für Hochzeiten und feierliche Anlässe mieten. Standesamtliche Hochzeiten finden hier wöchentlich statt und Burg Rode e.V. als Kulturverein verwöhnt die Herzogenrather mit einem bunten Kulturprogramm. Viele Events finden darüber hinaus im Burggarten statt, der während der Euregionale 2008 stark verändert wurde. Hier befindet sich nun auch eine fest installierte Bühne. Seit dem sieht man erstmalig wieder die eigentliche Dimension dieser alten Feste, die nicht ohne gefürchtet war. Selbst heute noch ohne die Wassergräben, die sie einst umgaben trotzt sie der Zeit über der Rodastadt. Im Rahmen der Sanierung zur Euregionale wurde auch der Baumbestand weit zurückgeschnitten, was einer Befreiung aus dem Dornröschenschlaf gleich kommt. Der Burggarten mit der Außenbühne gehört übrigens nicht dem Burg Rode e.V. sondern nach wie vor der Stadt Herzogenrath. Zum Erhalt eines solchen Gemäuers gehören ehrenamtlich Helfer. Wenn auch sie Lust haben uns zu unterstützen, melden sie sich einfach bei info@burgrode.de