Die Jagd ist in Deutschland sehr umstritten und dies teilweise sogar zu Recht. Jäger gelten allgemein als schießwütig, als Freizeitmörder und tierfeindlich. Was die Öffentlichkeit dabei wahrnimmt ist leider immer der kleine Teil von Jägern, die unwaidmännisch durch die Wälder laufen und sich als “Gutsherren” aufspielen. Jagd ist indes weit mehr als das bloße Schießen irgendwelcher hilfloser Kreaturen. Jagd dient dem Naturschutz und nicht ohne Grund sind die Jagdverbände in Deutschland als Naturschutzverbände allgemein anerkannt (das Land NRW weigert sich indes den Landesjagdverband als solchen anzuerkennen leider!). Der gesetzliche Auftrag zur Bestandsregulierung ist klar und auch wenn es zahlreiche politische Diskussionen um die Ausgestaltung der Jagd gibt, ist nicht von der Hand zu weisen, dass Jagd notwendig ist.

Im Folgenden möchte ich Ihnen ein paar Hintergrundinformationen geben, die Ihnen vielleicht ein anderes Bild der Jagd geben. Zunächst einmal zu den Rahmenbedingungen:

Wer darf jagen?

Grundsätzlich muss jeder, der in Deutschland jagen möchte den Jagdschein machen. Die Vorbereitung auf die Prüfung erfolgt in der Regel bei den Kreisjägerschaften. In Aachen findet der Kurs über einen Zeitraum von 6 Monaten zwei mal in der Woche statt. Darüber hinaus sollten die künftigen Jäger sich auf der Schießbahn auch Fähigkeiten im Umgang mit der Waffe erwerben, da die Prüfung auch die Schießleistung umfasst. Zudem werden in Exkursionen in Forst und Wildgehege auch praktische Eindrücke vermittelt. Am Ende der Vorbereitungszeit steht eine staatliche Prüfung, die drei Teile umfasst: schriftliche Prüfung, Schießprüfung (Tontaube, Rollhase, Kugelstand) und die abschließende mündliche Prüfung. Wer beispielsweise bei der Schießprüfung keine ausreichende Leistung erbringt, fällt in der gesamten Prüfung durch.

Prüfungsgebiete sind u.a.: Naturschutz, Tierschutz, BIotopschutz, Gesetzeskunde, Waldkunde, Pflanzenkunde, Tierkunde, Hundewesen, Waffenkunde etc. Jäger sind also staatlich geprüfte, sachkundige Personen. Damit unterscheiden sie sich was Fachwissen angeht von vielen Naturschutzverbänden, deren Mitglieder häufig nicht über derartiges Fachwissen verfügen.

Wo darf wer mit Jagdschein jagen?

Wer jagen möchte, muss sich in Deutschland ein Revier pachten, mehr als 80 ha zusammenhängendes Land besitzen oder im Staatsforst einen sogenannten Pirschbezirk pachten. Da mit einem Revier entsprechende Kosten verbunden sind, werden viele Jäger als Jagdgast zur Jagd eingeladen und haben kein eigenes Revier.

Dem Jagdpächter obliegt es den Wildschaden zu regulieren. Praktisch heißt dies: Zu viele Kaninchen fressen auf dem Acker eines Landwirtes die Rüben weg, der Landwirt wendet sich an den Jagdpächter und macht Wildschaden geltend und der Jagdpächter muss diesen Schaden bezahlen aus seiner eigenen Tasche. Wer glaubt, dass es hierbei um kleine Beträge geht der sei hier eines besseren belehrt. In dem besagten Revier alleine belief sich der Wildschaden in mehreren Folgejahren auf 150.000 Euro jährlich. Geld, dass gerade bei kommunalen Forsten unmittelbar der Gemeindekasse zufließt. Die Gemeinde Bettenfeld findet aufgrund der Ausgangslage niemanden mehr, der sich so ein Revier “an tut”. Freilich wäre es vermessen und nicht ehrlich Herzogenrath mit einem Eifelrevier zu vergleichen, aber auch hier zeigen sich die Auswirkungen der Energiepolitik spürbar. Aufgrund von Biomassekraftwerken steigt die Anzahl von Maisflächen stetig an. Dort, wo Wildschweine früher die Felder mieden, haben sie in den Sommermonaten heute dichten Maisbestand und verbreiten sich ständig weiter. Damit wird auch der Wildschaden permament größer. Ein anderes nicht zu unterschätzendes Problem sind die zahlreichen nicht heimischen Kanadagänse, die jeder von uns (ich ebenfalls) sehr gerne sieht und mag. Wildgänse sind Krankheitsüberträger und scheiden durch ihren Kot eine Menge gefährlicher Erreger aus. Kinder kommen beim Spielen mit dem ätzenden Kot in Berührung oder atmen durch getrockenen Kot (sogenannter Vekalstaub) kleine Partikel ein, die dann wiederum zu Krankheiten führen können. Kanadagänse haben keine natürlichen Feinde und bleiben inzwischen das gesamte Jahr ohne noch zu wandern. Eine ausgewachsene Kanadagans frisst am Tag ca. 1,5-2 kg. Rechnet man diese Zahl auf die ca. 150 Kanadagänse um, die in Herzogenrath auf dem Weiher liegen, dann kann man sich vorstellen, dass der Schaden gewaltig ist. Nicht nur im Feld verursachen sie Probleme, sondern auch im Gewässer, wo sie nachts koten. Zwischenzeitig ist der Weiher kostenintensiv ausgekoffert worden durch einen Schwimmbagger, aber die Gewässerbelastung ist viel zu hoch. Im vergangenen Jahr fanden rund um den Weiher zahlreiche nette Gespräche mit Passanten statt. Bis auf einen Passanten, der sich wegen eines Schusses erschrocken hatte und einer Parteigängerin, die ohne dass auch nur ein Schuß gefallen war die Polizei informierte, weil sie sich “bedroht” sah, gab es keine Zwischenfälle.